Menu:

Letzte Änderung 06.02.2012

FAQ

Hier werden wir nach und nach Fragen beantworten, die uns öfters per Email gestellt worden sind.

Fragen von Kindern

  1. Ich bin auch mit einer Samenspende gezeugt worden. Weswegen sollte ich mich bei euch melden?
  2. Ich würde gerne erfahren, wer mein Spender war. Was kann ich machen?
  3. Weswegen macht ihr nicht ein Register wie das donorsiblingsregistry in den USA, über das sich Halbgeschwister, Spender und Kinder finden können?
  4. Wieso sprecht ihr nicht auch für Kinder aus einer Eizellenspende?

Fragen von Eltern

  1. Ich möchte ein Kind per Samenspende bekommen, findet Ihr das okay?
  2. Was kann ich machen, um die Daten des Spenders für mein Kind zu sichern?
  3. Ist es nicht am besten für Kinder aus einer Samenspende, nie davon zu wissen? So sind sie Teil einer ganz normalen Familie.
  4. Verstört es Kinder nicht, wenn man ihnen sagt, dass sie mit ihrem Vater nicht genetisch verwandt sind und aus einer Samenspende stammen?
  5. Ich habe meine dreizehnjährige Tochter durch eine Samenspende bekommen, sie weiß nichts davon. Nachdem ich die Internetseite gelesen habe, würde ich es ihr gerne sagen, aber ich habe Angst vor ihrer Reaktion.
  6. Wünscht ihr Euch manchmal, ihr hättet nie erfahren, durch eine anonyme Samenspende gezeugt worden zu sein?

Allgemeine Fragen

  1. Wie sollte Samenspende Eurer Meinung nach rechtlich geregelt werden?
  2. Wieso ist es so wichtig für euch, den Spender kennenzulernen?
  3. Was erwartet ihr von dem Spender?
  4. Ist die soziale Elternschaft nicht viel wichtiger als die genetische?
  5. Der Spender wollte doch damals nur helfen und hat sich darauf verlassen, dass er anonym bleiben kann.
  6. Ist es nicht zu viel verlangt vom Spender, dass er mit mehreren leiblichen Kindern Kontakt aufnimmt? Er könnte jetzt selbst eine Familie haben.
  7. Warum seid ihr nicht glücklich, dass es diese Methode gibt? Ohne diese wärt ihr nie geboren worden.
  8. Wenn die Spender nicht mehr anonym sein können, wird die Zahl der Spender sinken und kinderlose Paare können sich ihren Lebenstraum nicht mehr erfüllen.
  9. Warum möchtet ihr, dass die Zahl der durch einen Spender gezeugten Kinder ausdrücklich auf zehn begrenzt wird?
  10. Der Spender möchte wahrscheinlich keinen Kontakt zu Euch, sonst hätte er sich doch schon gemeldet. Welchen Sinn macht es daher, nach ihm zu suchen?
  11. Was haltet ihr von Registern, über die sich Spender und die Spenderkinder finden können, als Antwort auf die Bedürfnisse von Spenderkindern?
  12. Interessiert ihr euch nicht nur deswegen für den Spender suchen bzw. kritisiert den momentanen Umgang mit Samenspende, weil ihr aus "zerrütteten Familien" kommt?
  13. Der Großteil der Spenderkinder hat an dieser Entstehungsweise wahrscheinlich nicht auszusetzen und möchte nur nicht an die Öffentlichkeit gehen.

Family Finder

  1. Seid ihr an Family Tree DNA beteiligt?
  2. Schützt Family Tree DNA meine Privatsphäre?

Fragen von Kindern

Ich bin auch mit einer Samenspende gezeugt worden. Weswegen sollte ich mich bei euch melden?

Erst einmal weil es angenehm sein kann, mit einer solchen eher ungewöhnlichen Zeugungsgeschichte nicht allein zu sein. Für einige von uns waren Gespräche mit anderen Betroffenen bereichernder als Gespräche mit Außenstehenden, weil sie sich in den Gefühlen, Gedanken und Wünschen anderer Spenderkinder wiederfanden. Wenn sich irgendwann einmal genug Spenderkinder gemeldet haben, können sich vielleicht auch Halbgeschwister untereinander finden. Und es ist wichtig, dass wir unsere Erfahrungen und Gedanken als Spenderkinder austauschen und öffentlich machen. Dabei möchten wir die Gefühle und Erfahrungen möglichst vieler Spenderkinder kennenlernen und berücksichtigen. Wir tragen damit auch eine Verantwortung für alle durch Samenspende gezeugten Menschen, die noch nicht davon wissen und denen es immer noch unmöglich gemacht wird, einmal ihre genetischen Wurzeln zu finden. Aus diesem Grund haben wie uns auch als Verein organisiert. Viele Eltern wählen anonyme Samenspender und halten die Samenspende geheim, weil sie Angst vor den Reaktionen der Gesellschaft haben. Deswegen wollem wir in diesem Punkt mehr Offenheit schaffen, und das schaffen wir nur, indem wir von unseren Erfahrungen als Kinder anonymer Spender berichten. In Großbritannien hat sich durch die Arbeit einer Spenderkinderorganisation unheimlich viel geändert und anonyme Samenspenden wurden 2005 verboten.

Ich würde gerne erfahren, wer mein Spender war. Was kann ich machen?

Schreib einen höflichen Brief an den Arzt oder die Klinik, bei der Deine Mutter früher in Behandlung war, und fordere sie zur Herausgabe der Daten auf. In dem Brief sollte deutlich werden, dass es Dein Recht ist, diese zu erhalten (vielleicht mit Bezug auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1989), und was es für Dich persönlich bedeuten würde. Wenn Du eine ablehnende Antwort erhältst, kann es Sinn machen rechtliche Schritte zu erwägen. Selbst wenn Du mit einer Ablehnung rechnest, ist es wichtig, sich überhaupt zu melden, denn dann können diese Ärzte nicht weiter ohne Lüge behaupten, dass diese Informationen die Kinder gar nicht interessieren.

Wenn es die Klinik oder den Arzt nicht mehr gibt, kannst Du versuchen ehemalige Angestellte oder Verwandte ausfindig zu machen, um mehr Informationen zu erhalten.

Weswegen macht ihr nicht ein eigenes Register wie das donorsiblingsregistry in den USA, über das sich Halbgeschwister, Spender und Kinder finden können?

Wir haben sehr lange überlegt, ein eigenes Register aufzubauen, haben es aber aus mehreren Gründen nicht getan. Zum einen erfordert ein eigenes Register ein Maß an zeitlichem Engagement, dass niemand von uns aufbringen konnte. Da es um genetische Daten geht, hätten wir einen sehr hohen Sicherheitsstandard garantieren müssen. Darüber hinaus waren wir unsicher, welche Testmethode wir anwenden sollten, denn in Deutschland gibt es nur verschiedene STR-Tests, die aber für Geschwistertests fehleranfällig sind. Außerdem hätten wir die Datenbank von null aufbauen müssen und haben befürchtet, dass uns Spender nicht als neutral sehen würden. Zuletzt gab es rechtliche Risiken.

Wieso sprecht ihr nicht auch für Kinder aus einer Eizellenspende?

Unter uns Spenderkinder befindet sich niemand, der mit einer Eizellenspende gezeugt wurde. Wir können uns zwar vorstellen, dass Eizellenspenderkinder sich in der selben Lage wie wir befinden. Einer unserer Elternteile ist nicht der genetische, viele Eltern verschweigen den Kindern ihre Zeugungsweise, und die rechtliche Lage ist in Deutschland ungünstig, da die Eizellenspende verboten ist und nur im Ausland durchgeführt werden kann, wo es nur in wenigen Ausnahmen offenen Spenden gibt. Aber wir möchten nicht für eine Gruppe sprechen, von denen niemand unter uns ist. Grundsätzlich sind wir aber offen dafür, mit Eizellenspende gezeigte Menschen aufzunehmen - denn auch sie sind Spenderkinder. Und natürlich können sich auch Eizellenspende-Eltern gerne bei uns melden.

Von Eltern

Ich möchte ein Kind per Samenspende bekommen, findet Ihr das okay?

Wir wenden uns nicht gegen Samenspende an sich. Uns ist wichtig, dass Eltern eine Klinik wählen, bei der das Kind später die Identität des Spenders erfahren kann und bei der die Daten sicher aufbewahrt werden - am besten bei einem Notar. Außerden sollten Eltern dem Kind von Anfang an die Wahrheit über seine Zeugungsweise sagen und offen damit umgehen. Sie sollten nicht unterschätzen, dass das auch teilweise schwierig werden kann. Aber unter diesen Umständen haben wir nichts gegen eine Samenspende einzuwenden.

Was kann ich machen, um die Daten des Spenders für mein Kind zu sichern?

Wenn die Behandlung vor Inkrafttreten des Gewebegesetzes war, solltest Du die Klinik oder den Arzt im Namen des Kindes auffordern, die Daten an einen Notar herauszugeben, wo sie für Dein Kind aufbewahrt werden und es ab einem bestimmten Alter die Herausgabe fordern kann.

Den Ärzten oder Kliniken sollte man eher nicht trauen, dass sie die Daten aufbewahren. Daher sollte die Herausgabe auch gefordert werden, wenn es Daten nach dem Inkrafttreten des Gewebegesetzes betrifft. Aus unseren Erfahrungen passieren dort die seltsamsten Dinge - Daten werden direkt vernichtet, es gibt ein Feuer oder einen Wasserschaden oder die Daten gehen bei einem Umzug verloren. Bei einem Notar sind sie wesentlich sicherer und außerdem auch an einem neutralen Ort.

Ist es nicht am besten für Kinder aus einer Samenspende, nie davon zu wissen? So sind sie Teil einer ganz normalen Familie.

Das Problem ist, dass auch die Eltern wissen, dass sie wegen der Zeugungsunfähigkeit des Mannes nie eine „ganz normale“ Familie sind und waren. Geheimnisse sind nie gut für das Familienleben. Manche Kinder ahnen trotzdem etwas, weil sich ihre Eltern oder der Vater seltsam verhalten. Außerdem kann die Zeugung durch eine Samenspende immer auch später durch einen unglücklichen Zufall herauskommen. Freunde oder Verwandte können es aus Versehen sagen, die Blutgruppe stimmt nicht überein, oder das Kind hat eine Vermutung. Dass es nicht gut für die Beziehung zwischen den Eltern und dem Kind ist, wenn eine solche Verheimlichung ans Licht kommt, ist wohl klar. Für die meisten von uns war es umso schwieriger, mit der Zeugung durch Samenspende zurecht zu kommen, je später wir davon erfahren haben.

Wir gehen davon aus, dass es am besten für eine Familie ist, wenn man offen damit umgeht und auch über die daraus resultierenden Schwierigkeiten redet. Darüber hinaus sollten die Eltern wissen, dass Verschweigen auch aus rechtlicher Perspektive kritisch ist. Indem Eltern darüber entscheiden, was die Kinder über sich selbst wissen dürfen, missachten die Eltern die Persönlichkeitsrechte ihres Kindes. Jeder Mensch hat ein Recht auf Kenntnis seiner Abstammung, auch ein Spenderkind. Denn sie achten die Recht ihres Kindes nicht, wenn sie ihnen eine solche fundamentales Wissen ihrer Existenz verschweigen.

Verstört es Kinder nicht, wenn man ihnen sagt, dass sie mit ihrem Vater nicht genetisch verwandt sind und aus einer Samenspende stammen?

Das kommt einerseits auf das Alter bei der Aufklärung und die Art der Aufklärung an. Wir denken, dass es am besten ist, davon so früh wie möglich zu erfahren. Verschiedene Studien und unsere Erfahrung haben gezeigt, dass Kinder am besten mit der Situation zurechtkommen, wenn sie früh (etwa bis zum Kindergartenalter) über ihre Entstehungsweise aufgeklärt werden. Die Kinder können dieses Wissen dann in ihre Identitätsentwicklung integrieren. Bei späterer Aufklärung bzw. einer unfreiwilligen Aufklärung im Erwachsenenalter ist das Kind viel stärker herausgefordert, weil es seine Identität bis zu diesem Zeitpunkt auf ein anderes Fundament gebaut hatte, das durch die neue Information komplett umgebaut werden muss. Unter "Literaturtipps" findest Du auch Literatur, die bei der Aufklärung helfen kann.

Eine weitere Befürchtung vieler Eltern ist die, dass sich die Aufklärung negativ auf die Beziehung des Kindes zum sozialen Vater auswirken könnte. Das muss aber, genau wie bei Adoptivkindern, nicht der Fall sein, vorausgesetzt, dass eine soziale Beziehung zwischen Vater und Kind besteht, die aktiv aufgebaut werden muss und nicht selbstverständlich besteht. Wird versäumt, diese Beziehung aufzubauen, besteht anders als in "normalen" Familien, keine biologische Verbindung als unausweichliche Bindung. Deshalb ist es ganz wichtig, dass sich der soziale Vater aktiv mit seiner Situation auseinandersetzt und eine soziale Beziehung aufbaut.

Wenn die Eltern selbstbewusst mit der Samenspende umgehen, wird auch das Kind gut damit umgehen können. Es wird nie das Gefühl haben, dass es durch eine Prozedur gezeugt wurde, die den Eltern peinlich ist oder für die man sich schämen müsste.

Ich habe meine dreizehnjährige Tochter durch eine Samenspende bekommen, sie weiß nichts davon. Nachdem ich die Internetseite gelesen habe, würde ich es ihr gerne sagen, aber ich habe Angst vor ihrer Reaktion.

Du solltest Deiner Tochter die Wahrheit sagen, denn sie hat ein Recht darauf. Und für ihre Reaktion kommt auch stark auf die Art und Weise an, wie Du es ihr mitteilst. Versuch vorher einmal, Dich in die Situation eines Menschen hineinzuversetzen, der eine solche Neuigkeit erfährt. Vielleicht kannst Du Dir ungefähr vorstellen, was einen in diesem Moment beruhigen würde. Unsere Ratschläge wären deswegen folgende: Versuche einfühlsam zu erklären, weswegen Du Dich für eine Samenspende entschieden hast und weswegen Du es so lange verheimlicht hast. Sag, dass Dir das Verheimlichen leid tut und Du eingesehen hast, dass dies nicht richtig war. Bezieh den Vater mit ein und betone, dass genetische Verwandtschaft absolut nicht ausschlaggebend für Elternschaft ist. Teil von Dir aus alles mit, was Du über die Klinik und den Spender weisst und sag Deiner Tochter, dass Du sie auf der Suche nach dem Spender unterstützen wirst, falls sie dies möchte.

Frag Deine Tochter nicht direkt, wie sie sich deswegen fühlt oder erwarte direkt eine Absolution. Du solltest akzeptieren, wenn Sie wütend ist und erst einmal Abstand haben möchte. Wenn dem so ist, bemüh Dich, die Tür offen zu halten und zeig Verständnis für die Gefühle. Versuche, Deine Gefühle immer wieder zu erklären. Wenn sie nicht mit Dir reden möchte, schreib einen Brief oder eine email. Letztendlich kann man auf niemanden ewig wütend sein, der Fehler eingesehen hat und sich dafür entschuldigt. Es wird vielleicht erst einmal (nicht zwingend) eine nicht so schöne Zeit für Dich werden - aber Du wirst Dich dadurch auch befreit fühlen und die Möglichkeit für eine ehrliche und damit tiefere Beziehung schaffen.

Vielleicht helfen auch die Literaturtips unter dem Punkt "Aufklärung" weiter.

Wünscht ihr Euch manchmal, ihr hättet nie erfahren, durch eine anonyme Samenspende gezeugt worden zu sein?

Dieses Gefühl hat noch niemand von uns geäußert. Wir möchten doch eigentlich alle nicht, dass uns wesentliche Tatsachen über unser Leben verheimlicht werden. Indem eine Person (z.B. Eltern oder Ärzte) darüber entscheidet, was eine andere Person (z.B. erwachsene Spenderkinder) wissen darf, bevormundet sie den anderen Menschen. Wir sind erwachsene Menschen und wollen nicht bevormundet werden.

Allgemeine Fragen

Wie sollte Samenspende Eurer Meinung nach rechtlich geregelt werden?

Wir sind für ein Verbot anonymer Samenspenden in Deutschland. Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 1989 hat zwar jedes Kind ein Recht auf Kennntnis der genetischen Abstammung, aber die anonyme Samenspende ist in Deutschland trotzdem immer noch die Regel. Daran hat auch das Gewebegesetz nichts geändert, nachdem die Spenderdaten 30 Jahre aufbewahrt werden müssen. Die meisten Ärzte leugnen immer noch, dass es ein Auskunftsrecht des Kindes gibt, nehmen es nur bei gesundheitlichen Schwierigkeiten an oder berufen sich auf ihre ärztliche Schweigepflicht. Alles ist rechtlich unbeachtlich, aber leider hat bisher kein Kind je geklagt.

Wieso ist es so wichtig für euch, den Spender kennenzulernen?

Weil es wichtig für unser Selbstbild und für unsere Identität ist. Wir möchten wissen, von wem wir genetisch abstammen, von wem wir vermutlich 50 % unserer Anlagen geerbt haben. Viele von uns haben Züge an sich erkannt, die sie nicht der Familie ihrer Mutter zuordnen können.

Abstammung ist ein wichtiger Teil der Identitätsbildung. Nicht umsonst interessieren sich so viele Menschen für Ahnenforschung. Auch in der Adoptionsforschung hat, man festgestellt, dass die Kenntnis der eigenen Abstammung wichtig sein kann, was deshalb für adoptierte Kinder dokumentiert wird.

Bei der heterologen Insemination entscheiden Dritte, nämlich die Reproduktionsmediziner, die unzureichend dokumentieren, bzw. keine Informationen herausgeben, dass es für uns als entstandene Spenderkinder nicht wichtig sein darf und nicht möglich ist, zu erfahren, wer unser Erzeuger ist. Das ist eine Kompetenzüberschreitung der Mediziner und Bevormundung von uns als erwachsenen Menschen die wir nicht hinnehmen wollen. Wir möchten nicht sagen müssen, dass wir nicht wissen, wer unser genetischer Vater ist.

Was erwartet ihr von dem Spender?

Wir erwarten keine Vater-Kind-Beziehung. Die meisten von uns haben einen sozialen Vater. Aber wir würden es sehr schätzen, wenn er uns einmal treffen und mit uns reden würde. Momentan kennen wir nur die eine Hälfte unserer Herkunft, unsere Mutter. Für unsere persönliche Identität wäre es hilfreich, auch die andere Hälfte zu kennen, um da, wo wir unsere Identität im Moment nur auf ein schwarzes Loch gründen, eine reale Person, unseren Erzeuger einfügen können.

Ist die soziale Elternschaft nicht viel wichtiger als die genetische?

Vielleicht. Aber das würden wir gerne selbst überprüfen und nicht irgendwelche Ärzte für uns entscheiden lassen. In jedem Fall ist UNS genetische Elternschaft nicht unwichtig.

Man kann die Tatsache nicht einfach ausschließen, dass viele Anlagen vererbt werden und daher die Kenntnis der genetischen Abstammung sicherlich nicht allein, aber eben AUCH wichtig für die Identität eines Menschen ist. Für Adoptivkinder ist das schon lange anerkannt, ihre Eltern werden im Geburtsregister festgehalten und sie können ab dem Alter von 16 Jahren Einsicht nehmen.

Auch aus medizinischer Sicht kann es sehr aufschlussreich sein, zu wissen, welche Krankheitsgeschichte ein genetischer Elternteil und dessen Familie mitbringt, nicht nur im Fall von Knochenmarkstransplantationen, sondern auch in anderen Bereichen um abzuschätzen, welche Neigungen und Risiken bestehen.

Außerdem haben wir vermutlich Geschwister, die wir ebenfalls gerne kennenlernen würden.

Der Spender wollte doch damals nur helfen und hat sich darauf verlassen, dass er anonym bleiben kann.

Diese Sichtweise stellt die Interessen des Spenders und der Eltern über die von uns Kindern. Der Spender hat freiwillig und bewusst gespendet und sich damit selbst in diese Situation gebracht. Er wusste, dass durch ihn vermutlich Kinder entstehen. Wir Spenderkinder haben uns dagegen nicht ausgesucht, so geboren zu werden. Im normalen Leben würde man einem Mann niemals zugestehen, er habe sich darauf verlassen, dass er anonym ein Kind zeugen könne. Verträge zu Lasten Dritter – was eine Anonymitätsvereinbarung ist – waren außerdem nach deutschem Zivilrecht schon immer nichtig.

Ist es nicht zu viel verlangt vom Spender, dass er mit mehreren leiblichen Kindern Kontakt aufnimmt? Er könnte jetzt selbst eine Familie haben.

Wir wünschen uns nur einen kurzen Kontakt und möchten das Familienleben des Spenders nicht stören. Er müsste seiner Familie noch nicht einmal von dem Kontakt berichten. Davon abgesehen würden wir uns aber freuen, wenn er zu seiner Vergangenheit als Spender stehen würde, auch vor seiner Familie. Denn es ist nichts ehrenrühriges, und wir sind junge und freundliche Menschen und keine Bedrohung.

Wir gehen außerdem davon aus, dass ein Treffen des Spenders für uns auch für ihn ein interessantes und vielleicht auch schönes Erlebnis sein könnte. Es gibt erste Berichte aus den USA und den Niederlanden über solche Treffen, in denen die Spender erzählt haben, dass es eine wichtige Erfahrung für sie war.

Warum seid ihr nicht glücklich, dass es diese Methode gibt? Ohne diese wärt ihr nie geboren worden.

Wir sind nur gegen die Umstände unserer Zeugung durch Samenspende, nämlich die Anonymität der Spender, nicht gegen Samenspenden allgemein. Es ist eine nicht bewiesene Annahme, dass der Spender nur unter der Zusicherung von Anonymität zu einer Spender bereit war.

Wenn die Spender nicht mehr anonym sein können, wird die Zahl der Spender sinken und kinderlose Paare können sich ihren Lebenstraum nicht mehr erfüllen.

Diese Annahme stimmt nicht, wie die Länder wie Schweden und England zeigen, in denen die Anonymität schon lange aufgehoben wurde. Das Wichtigste ist, dass die Spender nicht rechtlich als Vater festgestellt werden können und somit zu Unterhaltszahlungen verpflichtet werden. Wenn der Spender wirklich nur kinderlosen Paaren helfen möchte, dann sollte er sich auch über die Gelegenheit freuen können, 18 Jahre später dem durch ihn gezeugtem Kind helfen zu können, indem er einem kurzen Kontakt zustimmt.

Davon abgesehen sind Kinder kein Mittel, um einen Lebenstraum zu erfüllen. Sie sind eigenständige Personen mit eigenen Wünschen und Rechten. Es ist zynisch zu sagen, dass die Rechte der zukünftigen Kinder verletzt werden dürfen, nur damit die Eltern nicht kinderlos bleiben.

Warum möchtet ihr, dass die Zahl der durch einen Spender gezeugten Kinder ausdrücklich auf zehn begrenzt wird?

Eine Begrenzung auf zehn Kinder minimiert die Wahrscheinlicheit, dass eine/r von uns eine sexuelle Beziehung mit einem genetischen Halbgeschwisterkind eingeht. Inzest ist in Deutschland strafbar, und eine solche Handlung würde auf jeden Fall den objektiven Tatbestand erfüllen. Falls Kinder aus einer solchen Verbindung hervorgehen, haben sie ein höheres Risiko von Erbkrankheiten. Schätzungen zufolge ist bei einer Zahl von zwischen 10 und 15 durch einen Samenspender gezeugten Kindern die Wahrscheinlichkeit relativ gering, dass sie zufällig aufeinander treffen. Auch wenn die Anonymität der Spender aufgehoben wird (wofür wir ja eindeutig sind), würden wohl nicht alle Eltern ihren derart gezeugten Kindern die Wahrheit sagen. Deswegen kann es auch dann immer noch passieren, dass durch den gleichen Spender gezeugte Kinder sich verlieben.

Davon abgesehen sollte es im Idealfall ja so sein, dass der Spender sich zumindest so weit verantwortlich fühlt, dass er das durch ihn gezeugte Kind auf dessen Wunsch ein Mal (!) trifft. Je mehr Kinder aber durch ihn gezeugt werden, desto weniger kann man das erwarten. Denn wer möchte schon 100 solcher Treffen haben.

Ein weiteres Argument ist, dass ein Mann im normalen Leben wohl auch kaum mehr als diese Kinderzahl bekommen würde. Einige von uns haben vermutlich sehr viele Halbgeschwister, weil die Kliniken eine solche Begrenzung früher nicht hatten und auch heute schwierig kontrollieren können. Für uns ist es ein sehr seltsames Gefühl, vermutlich so viele Halbgeschwister zu haben. Wir würden sie gerne kennenlernen. Aber gleichzeitig bekommt man so das Gefühl, aus einer Massenproduktion zu kommen.

Nicht zuletzt ist es auch im Sinne der Spender, dass sie wissen, worauf sie sich einlassen. Viele Spender wissen überhaupt nicht, wie viele Kinder durch sie entstanden sind - das ist auch eigentlich nicht fair, denn wenn sie schon anderen helfen, sollten sie doch auch über die Erfolge Bescheid wissen.

Der Spender möchte wahrscheinlich keinen Kontakt zu Euch, sonst hätte er sich doch schon gemeldet. Welchen Sinn macht es daher, nach ihm zu suchen?

Der Spender hat von sich aus gar keine Möglichkeit, sich bei uns zu melden, weil er gar nicht weiß, aus welchen seiner Spenden Kinder entstanden sind und wie viele Kinder er gezeugt hat. Außerdem musste er sich auch verpflichten, genau wie umgekehrt die Eltern, keine Nachforschungen anzustellen um die Anonymität zu wahren. In den Niederlanden haben sich bereits 100 Spender in dem Register eingetragen und wären bereit, Kontakt zu ihren Kindern aufzunehmen.

Was haltet ihr von Registern, über die sich Spender und die Spenderkinder finden können, als Antwort auf die Bedürfnisse von Spenderkindern?

Wir finden die Register sehr gut und planen selbst auch eines für Deutschland. Ein solches Register ist aber eher eine Behandlung des Verlusts von Spenderkindern, die zu eine Zeit gezuegt wurden, als ihre Rechte nicht zählten und die Spenderdaten nur 10 Jahre aufbewahrt wurden. Da die Eintragung der Spender freiwillig ist, kann ein Register kein Ersatz für eine rechtliche Regelung von Samenspende sein.

Interessiert ihr euch nicht nur deswegen für den Spender suchen bzw. kritisiert den momentanen Umgang mit Samenspende, weil ihr aus "zerrütteten Familien" kommt?

Hierbei handelt es sich um eine Schutzbehauptung, um sich nicht näher mit unserer Meinung als direkt Betroffenen auseinandersetzen zu müssen. Kein Außenstehender kennt unsere Familien so gut, dass er sich ein Urteil erlauben könnte. Im Grunde geht es bei dem Vorwurf (wieder mal) um die Rechtfertigung unseres Bedürfnisses der Kenntnis der eigenen Abstammung kombiniert mit dem Vorwurf, dass wir uns ohne Selbstreflektion von unterdrückten Gefühlen und Wünschen leiten lassen.

Eine Umfrage unter uns Spenderkindern im Februar 2011, an der sich 12 Mitglieder beteiligt haben, hat ergeben, dass bei etwas mehr als die Hälfte die Eltern getrennt oder geschieden sind. Als zerrüttet würde aber nur ein Drittel die eigene Familie einordnen und betont, dass dies aber auch an anderen Faktoren als der Samenspende liegen würde. Auch diejenigen, die ihre Familie als zerrüttet einordnen würden, meinen aber, dass dies nichts mit ihrem Wunsch zu tun hat, wissen zu wollen, wer der Spender war. Einhellig alle betonen, dass es hierbei um den Wunsch geht, mehr über sich zu erfahren und den Menschen, von dem wir die Hälfte unserer Anlagen geerbt haben, und dass ihr Interesse alleine dadurch geweckt wurde, dass eine weitere Person an unserer Zeugung beteiligt war.

Davon abgesehen ist unklar, was der Begriff „zerrüttete Familien“ überhaupt bedeuten soll – Probleme, viele Probleme, getrennt oder geschieden? Nicht zuletzt könnten einige Spenderkinder-Familien gerade deswegen zerrüttet sein, weil die Samenspende lange Zeit ein Familiengeheimnis war. Wenn es einen Hintergrund gibt, der uns alle verbindet, dann eher, dass wir alle nachdenkliche Menschen sind.

Der Großteil der Spenderkinder hat an dieser Entstehungsweise wahrscheinlich nicht auszusetzen und möchte nur nicht an die Öffentlichkeit gehen.

Dass es einen Großteil von Spenderkindern gibt, der mit den momentanen Umständen von Samenspende einverstanden ist, ist reine Spekulation und kann schon deswegen kein Argument sein. Wir vermuten eher, dass immer noch zu viele Spenderkinder überhaupt nichts von ihrer Zeugungsart wissen.

Family Finder

Seid ihr an Family Tree DNA beteiligt?

Wir sind weder gesellschaftsrechtlich beteiligt noch bekommen wir eine Vermittlungsprämie. Wir halten Family Finder für einen Service, den wir gut für unsere Zwecke einsetzen können, aber haben keinen Einfluss auf das Unternehmen. Es handelt sich bei FTDNA daher um eine wirklich unabhängige Stelle.

Schützt Family Tree DNA meine Privatsphäre?

Family Finder geht die vertragliche Verpflichtung ein, keine Daten an Dritte herauszugeben. Diese Verpflichtung ist auch in den USA bindend, und bei Verbrauchertäuschung ist es nicht ungewöhnlich, dass Bundesbehörden eingreifen. Darüber hinaus ist FTDNA aber ein Unternehmen, das vom Vertrauen der Teilnehmer lebt, denn wenn sie tatsächlich Daten herausgeben würden, dann würde sich niemand mehr registrieren. Wer diesbezüglich aber besorgt ist, kann sich unter anderem Namen anmelden.